Digitalzoom – Die wunderbare Welt der interpolierten Auflösung

Nikon Coolpix L4 und Orbbit DC-550Welche Kamera ist besser? Ein mit "6 MEGA PIXEL DIGITAL ZOOM 4X" beschriftetes Discounterschnäppchen oder eine einfache 4-Megapixel-Kamera mit dreifachem optischen Zoom aus dem Fachhandel? Lassen wir einmal die "Orbbit DC-550", die auch als "Megxon TX530", "Orisit DC-550" oder "CX301" verkauft wird, gegen die Nikon Coolpix L4 antreten, die mit einem Ladenpreis unter 150 Euro in den Anschaffungskosten nicht allzuweit von der Kamera mit den vielen Namen entfernt ist.

Bei der "DC-550" fällt auf, dass trotz der beworbenen 6 Megapixel nur die drei physikalischen Auflösungen "1,3 Megapixel", "2 Megapixel" und "3,1 Megapixel" einstellbar sind. In der 6-Megapixel-Einstellung schreibt die Kamera bereits interpolierte Bilder auf die Speicherkarte. Dafür schrumpft der beworbene "4x-Digitalzoom" schon bei der Standardauflösung "3,1 Megapixel" zu einem kleinlauten 2-fach-Zoom zusammen. Die gezoomten Bilder haben seltsamerweise in keinem der beiden Fälle 6 Megapixel, sondern es wird einfach das mittlere Viertel (bei 3,1MP) oder Sechzehntel (bei 1,3MP) der Bildfläche auf die eingestellte Auflösung verschmiert. Anscheinend ist in diesem Fall die Werbung mit "sechs Megapixeln" weder unlauterer Wettbewerb noch eine strafbare Form der Kundentäuschung.

Ich möchte das nicht vertiefen, denn überzeugender als die ganze Pixelarithmetik sind die Testbilder. Als Testbild-Motiv diente das schmiedeeiserne Kreuz auf der Turmspitze der alten Kirche in Eichlinghofen, rund 100 Meter vom Stativ entfernt. Das gleiche Motiv wurde je zweimal mit der 1,3-Megapixel-Auflösung, zweimal mit der 3,1-Megapixel-Auflösung und zweimal mit der "6-Megapixel-Auflösung" 2720×2040 der DC-550 fotografiert – jeweils einmal ohne Zoom und einmal mit maximalem Digitalzoom. Rechts neben den verkleinerten Darstellungen des effektiven Bildausschnitts sind auf 200 Pixel vergrößerte Ausschnitte der Originalbilddatei zu sehen.
Testfoto-Blickfeld Ausschnitt "Turmkreuz" Kommentar
Beim 1,3-Megapixel-Bild sticht sofort die schlechte Qualität der Farben ins Auge. Dass das Bild eine voluminöse violette Vignettierung aufweist, ist allerdings nicht das Thema dieses Auflösungstests. Die Bildschärfe ist dagegen völlig in Ordnung: jedes Pixel hat einen eigenen Farbwert, der es klar von seinen Nachbarn abhebt.
Die Standardauflösung der Kamera ist 3,1 Megapixel – warum? Mehr als auf dem 1,3-Megapixel-Bild ist hier dank der Primitivoptik auch nicht zu erkennen. Das Bild vergeudet nun jedoch 728 anstelle von 277 kByte des knappen Kameraspeichers. Das 5,5-Megapixel-Bild erspare ich uns hier und verweise auf den Zoom-Ausschnitt unten.
1,3 Megapixel mal 4-fach-Digitalzoom gleich Pixelmatsch. Das einzig positive: die violette Randabschattung ist nicht mehr sichtbar.
In der 3,1-Megapixel-×2-Einstellung ist erwartungsgemäß "nicht wirklich" ein Unterschied erkennbar.
Hier wurde die 6-Megapixel-Einstellung der Kamera verwendet. Was hat man nun davon, dass "6 MEGA PIXEL" auf der Kamera aufgedruckt ist, wenn erstens "nur" 5,5 Megapixel in der Bilddatei vorliegen, zweitens der Chip nur 3,1 Mexapixel auflöst und drittens das Objektiv offensichtlich gerade einmal für ein Megapixel zu gebrauchen ist – abgesehen davon, dass die Bilddatei nun unsinnige 1073 kByte belegt? Ganz offensichtlich gar nichts.
Zum Vergleich nun das Bild, das mit dem optischen Zoom der Nikon Coolpix L4 gemacht wurde. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.
Abschließend ein Foto einer echten 6-Megapixel-Kamera, der Canon Powershot S3is. Links ist das gesamte Bildfeld der höchsten Stufe des optischen 12-fach-Zooms zu sehen, rechts ein 200×200 Pixel großer Ausschnitt aus der Originalbilddatei. Um den gleichen Bildausschnitt wie bei den anderen Kameras zu erzielen, hätte das Bild hier sogar verkleinert werden müssen. Dieses Motiv ist auch für die S3is eine Herausforderung, da sie bei starken Kontrasten helle Bildbereiche mit roten Rändern versieht. Angesichts der enormen Zoomleistung ist das allerdings verzeihlich. Auf Kleinbildverhältnisse umgerechnet, hätte die kleine Kamera ein 36- bis 432-Millimeter-Objektiv.
(Fotos: Martin Vogel)

6MPixel-LogoSelbst mit guten Kompaktkameras ist bei 6 Megapixeln das Ende der Vernunft erreicht. Bei noch höherer Sensorauflösung verschwinden ganz ohne Digitalzoom die meisten feinen Bilddetails, weil die Kamera sie im verzeifelten Versuch, des Bildrauschens Herr zu werden, brutal wegspült. Die Website 6mpixel.org stellt dazu zahlreiche aufklärende Informationen zur Verfügung.

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